Altkanzler wird 85 – Helmut Kohls trauriger Geburtstag

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Helmut Kohl und seine 34 Jahre jüngere Ehefrau Maike Kohl-Richter.
Helmut Kohl und seine 34 Jahre jüngere Ehefrau Maike Kohl-Richter. | Foto: dpa

OGGERSHEIM –  Was für ein trauriges Jubiläum. Es ist eine bittere, aber vielleicht die treffendste Beschreibung: Helmut Kohl ist heute ein gefesselter Riese. So hat es Österreichs früherer Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Dezember in Dresden bei einem Festakt mit Kohl zum 25. Jahrestag des Mauerfalls formuliert. Am Karfreitag wird Kohl 85 Jahre alt.

Kohl erlitt 2008 bei einem Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma, seither sitzt er im Rollstuhl und kann nur schwer sprechen. Kohl-Freund Schüssel sagt, man habe immer gewusst: „Im Zweifel können wir uns auf diesen Riesen, der heute hier gefesselt vor uns sitzt, (…) verlassen.“ Andere Weggefährten haben sich von ihm abgewandt.

Die Beziehung zu seinen Söhnen Walter und Peter gilt als schwer belastet, sein Verhältnis zu weiten Teilen der CDU seit der Spendenaffäre als getrübt. Kohl hat die Geldgeber des Schwarzgeldes nie preisgegeben, ein klarer Verstoß gegen die Gesetze.

Die Partei veranstaltet keine Feier zu seinem Geburtstag. Stattdessen soll es im Sommer ein Symposium zu seinen Ehren geben. „Den Geburtstag selbst verbringt Dr. Helmut Kohl im privaten Kreis“, teilt die Konrad-Adenauer-Stiftung mit. Vermutlich will es Kohl selbst so. Eine Anfrage beantwortet er nicht.

Der einstige Regierungschef tritt nur noch selten öffentlich auf, und wenn er spricht, ist er kaum zu verstehen. Im vorigen November stellte er in Frankfurt ein Buch vor, das er mit Hilfe seiner zweiten Frau Maike Kohl-Richter geschrieben hat: „Aus Sorge um Europa“.

Bei der Präsentation vor laufenden Kameras – das öffentliche Interesse ist ungebrochen – saß seine Frau neben ihm, rückte Zettel zurecht, flüsterte ihm etwas zu und war mit einem Taschentuch zur Stelle.

Maike Kohl-Richter wird verantwortlich gemacht für Kohls Entzweiung von seinen Söhnen Walter und Peter und alten Wegbegleitern wie seinem Fahrer „Ecki“ Seeber.

Kohls früherer Ghostwriter Heribert Schwan erklärt Maike Kohl-Richter offen zu seinem „Feindbild“. Sie habe seine Arbeit mit Kohl beendet und strebe die „Deutungshoheit“ über seine Kanzlerschaft an.

Kohl beleidigte alle: Angela Merkel („Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen“), auch Heiner Geißler, Rita Süssmuth, Norbert Blüm bekamen ihr Fett weg. Heute will niemand mehr von den Weggefährten etwas mit Kohl zu tun haben.