Interviews mit Altkanzler: Schwan will Kohl-Tapes öffentlich machen

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In wenigen Tagen soll eine Entscheidung im Schadensersatzprozess gegen Helmut Kohls Ex-Biografen fallen. Nun kündigt Heribert Schwan im SPIEGEL an, die umstrittenen Interviewbänder öffentlich zu machen.

Der ehemalige Ghostwriter von Helmut Kohl, Heribert Schwan, hat seine Bereitschaft erklärt, eine Kopie der Bänder seiner Interviews mit dem Altkanzler der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. “Ich bin der Meinung, dass alle interessierten Historiker mit den Bändern arbeiten sollten”, sagte Schwan dem SPIEGEL. Er sei deshalb bereit, ein Exemplar dem Bundesarchiv in Koblenz zur Verfügung zu stellen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Über die Interviews, die Schwan mit Kohl in den Jahren 2001 und 2002 geführt hatte und die die Basis für Kohls Memoiren bildeten, ist ein heftiger Rechtsstreit entbrannt. Weil Schwan im Jahr 2014 Teile der Gespräche gegen den Willen Kohls in einem Buch veröffentlicht hatte, will der Altkanzler nun von seinem ehemaligen Ghostwriter fünf Millionen Euro Schadensersatz.

Das Landgericht Köln, vor dem die Sache verhandelt wird, hat für Donnerstag eine Entscheidung angekündigt. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist eine derart hohe Schadensersatzsumme wegen einer Persönlichkeitsverletzung gefordert worden.

Es geht um Kohls Bild in der Geschichte

Der Rechtsstreit wird auch deshalb so erbittert geführt, weil es um das Bild Kohls in der Geschichte geht. Der Altkanzler hatte sich in den Interviews mit Schwan zum Teil sehr kritisch über ehemalige Weggefährten geäußert. Kohl und seine Frau Maike wollen deshalb, dass die Bänder unter Verschluss bleiben.

Nach SPIEGEL-Informationen haben Kohls Anwälte nun angeboten, dass Maike Kohl-Richter vor Gericht aussagt, sollte der Prozess in eine neue Runde gehen.

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