Schwan: Kohl wollte einen Staatsakt

Titel aus der FAZ

F.A.Z. FRANKFURT, 5. Juli. Der Journalist und Schriftsteller Heribert Schwan hält den Staatsakt für Willy Brandt für das Vorbild, an dem sich Helmut Kohl orientierte. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Schwan, Kohl habe ihm gegenüber immer wieder vom Staatsakt für Willy Brandt gesprochen. „Er sagte: So werde ich irgendwann aufgebahrt sein im Reichstag.“ Schwan war der „Ghostwriter“ Kohls zur Verfassung von dessen Memoiren. 2009 kam es zum Bruch, wenige Jahre später zum Prozess, nachdem Schwan seine umfangreichen Tonbandaufzeichnungen benutzt hatte, um 2014 ein Buch über Kohl zu veröffentlichen. Schwan, sein Ko-Autor Tilman Jens und der Verlag wurden im April dieses Jahres vom Landgericht Köln wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte Helmut Kohls zu einem hohen Schmerzensgeld verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zu der Frage, was mit den Kopien der Aufnahmen und seinen Aufzeichnungen geschehen solle, sagte Schwan: „Ich bin jederzeit bereit, meine digitalen Kopien und die etwa 3000 Seiten umfassenden Abschriften dem Bundesarchiv und dem Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung zu überlassen – immer vorausgesetzt natürlich, es ist juristisch in Ordnung und ich werde nicht wieder verklagt.“ (Siehe Seite 5.)

 

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