Details zum Buch

München, 1997
Droemer Knaur

Das Buch

Ein Heer von Zuträgern und Spitzeln versorgte die Führungsclique der DDR mit einer Flut von Informationen über echte und vermeintliche Regimekritiker. Dem Volk war nicht zu trauen. Machterhalt um jeden Preis war oberstes Prinzip. In zentraler Position: Erich Mielke, der über dreißig Jahre als Minister für Staatssicherheit den wirtschaftlich und politisch labilen Staat stabilisierte.

Durch ihn und seine Helfer verloren Menschen ihre Würde, manche ihr Leben. Das Ministerium unter Mielkes Leitung verbreitete Angst und Schrecken. Es förderte Verrat, Untertanengeist und Kadavergehorsam. Mielkes Befehlen gehorchten Tausende von inoffiziellen und hauptamtlichen Mitarbeitern. Sie führten aus, entwickelten, erledigten und siegten im Namen des Sozialismus.

Mielke stattete das Ghetto der Regierenden in Wandlitz mit allem westlichen Luxus aus, der für normale DDR-Bürger unerschwinglich war. Aber nicht nur die Selbstversorgung der herrschenden Nomenklatura spielte sich unter seiner Regie ab, sein Ministerium pflegte auch enge Kontakte zu bewaffneteten RAF-Aktivisten und zu dem international gesuchten Terroristen Carlos. Motto: Die Feinde des Westens können uns nur nützlich sein.

Gestützt auf Gespräche mit Zeitzeugen und auf erstmals veröffentlichte Dokumente aus Ost-Berliner und Moskauer Archiven, schildert Heribert Schwan die Karriere des Mannes, der als Armeegeneral und Parteifunktionär sein Leben in den Dienst des DDR-Geheimdienstes gestellt hatte. Eng damit verknüpft ist die Beschreibung der Funktionsweise des DDR-Sicherheitsapparats und seiner unheilvollen Auswüchse.

Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der jüngsten deutschen Geschichte.



Details zum Film

Dokumentation von Heribert Schwan
Länge: 45 Minuten
Redaktion: Claus Spahn

(11.12.97)
Morgenmagazin – ARD – Feature – Der Biedermann Mielke
WDR – Der Biedermann – Erich Mielke – Eine deutsche Kariere

Der Film

Der Biedermann – Erich Mielke – eine deutsche Karriere

Sein Dienstvolk bestand aus einem Heer von Zuträgern und Spitzeln. Seine Brust zierten ungezählte Orden. Als überzeugter Kommunist diente er seinem Staat: SED-Spitzenfunktionär, Armeegeneral, Minister für Staatssicherheit.

Mit 23 Jahren wurde er Doppelmörder in Berlin und floh in Stalins Diktatur. Später nahm er am Spanischen Bürgerkrieg teil und ging in Belgien und Frankreich als linientreuer Kommunist in die Illegalität. Hitlers Herrschaft entzog er sich und gelangte 1945 unversehrt in seine Heimatstadt Berlin. Der glühende Verehrer Stalins schaffte noch vor Gründung der DDR den Sprung in den kommunistischen Machtapparat.
Politische Verantwortung übernahm Mielke im DDR-Sicherheitsbereich und stieg schließlich auf zum gefürchteten Geheimdienstchef. Als verantwortlicher Minister stand er zweiunddreißig Jahre lang für Unterdrückung, Bespitzelung und Verrat. Durch seine Befehle und Anordnungen verloren DDR-Bürger ihre berufliche Existenz, kamen ins Gefängnis und wurden ihrer Würde beraubt. Tausende von Menschen gehorchten seinem Willen, verrieten Freunde und Familienangehörige. Mielke ersann Zersetzungsmaßnahmen, brach Menschen das Rückgrat, verletzte Seelen und missbrauchte Lebensjahre. Sein hohes Alter und sein schlechter Gesundheitszustand verhinderten eine lebenslange Freiheitsstrafe. Über dreißig Ermittlungsverfahren wurden gegen ihn angestrengt.

Der Kölner Autor hat sich seit Jahren mit Erich Mielke beschäftigt und seinen Lebensweg nachgezeichnet. Dabei stieß er auf neue aufschlussreiche Dokumente in Berliner und Moskauer Archiven. Für die WDR-Dokumentation konnte er Zeitzeugen aus dem engsten Führungskreis des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit gewinnen. Einige von ihnen brachen erstmals ihr jahrelanges Schweigen.