Details

Werner Filmer/Heribert Schwan
Düsseldorf 1990
Econ Verlag

Inhalt

Stolz sind die Saarländer auf ihren Oskar. Er hat ihnen ein neues Wir-Gefühl vermittelt, ihr Selbstbewußtsein enorm gesteigert, das kleine Grenzland weltbekannt gemacht. Lafontaine führte die Menschen aus der Resignation heraus und schaffte so etwas wie Aufbruchstimmung. Der Sonnenkönig von der Saar – wie ihn Spötter herablassend nennen – hält die politischen Fäden in der Hand. Der unbequeme Mahner paßt nicht ins gängige Raster politischer Profile. Er, der sich erfolgreich um Sachkenntnis und Kompetenz bemüht, verunsichert ständig seine Partei, das ganze politische Establishment. Der Quer- und Vordenker an der Saar stößt vieles an und vielen vor den Kopf.

Der kleine Napoleon – wie ihn Freunde nennen – spricht druckreif und hat Lust am Formulieren. Man sagt ihm Arbeitswut und Perfektionismus nach. Er liebt die Publicity, die Show, die saarländische Lebensfreude, das gute Essen und Trinken.

Lafontaine, ein Politiker zum Anfassen, ein Mann mit Gefühl und empfinden für politische Trends und für Zeitgeist. Gerne spielt er Staatsmann und Kosmopolit. Auch nach dem lebensbedrohenden Anschlag auf ihn ist sein Selbstwertgefühl offensichtlich ungebrochen. Der Politiker aus der Provinz weiß zu überzeugen. Ausländische Politiker und Journalisten klopfen gerne bei ihm an. Der Ministerpräsident liebt es hofzuhalten und pflegt gemütliche Gastlichkeit.

Lafontaine ist das Saarland, das Saarland ist Lafontaine. Er nölt sich für geeignet, die Bundesrepublik zu regieren. Der begnadete Politikdarsteller, der lieber populistisch als unpopulär sein will, tritt bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen gegen Helmut Kohl an. Dem widerborstigen Saarländer verweigern politische Gegner nicht den Respekt. Lange Zeit haben sie ihn unterschätzt und sein vordergründiges Autoritäres gerügt. Kritisiert wurden immer wieder seine machiavellistischen Züge. Doch gibt es ein vergleichbares politisches Talent in der Bundesrepublik?