Den Spionen der DDR auf der Spur

Autor Heribert Schwan stellte bei seinem Heimspiel in Betzdorf sein neues Buch vor

Aus der Rhein-Zeitung Kreis Altenkirchen von Claudia Geimer

Betzdorf. Ein Ständchen von seinen Landsleuten aus Wallmenroth – das freut den Journalisten und Buchautor Dr. Heribert Schwan. In Betzdorf geboren, in Wallmenroth aufgewachsen, hatte der 75-Jährige bei seiner Lesung vor Kurzem in der Stadthalle ein Heimspiel. Schwan, der sich unter anderem als Kohl- Biograf einen Namen gemacht hat, stellte dort sein neues Buch: „Spione im Zentrum der Macht – Wie die Stasi alle Regierungen von Adenauer bis Kohl bespitzelt hat“ vor. Doch zuerst gehört die Bühne dem MGV „Liederkranz“ Wallmenroth. Die Sänger unter Leitung von Hubert Hof tragen drei Lieder vor. „Wir bedanken uns für die Einladung. Das ist eine große Ehre für den Chor“, so Hof. Heribert Schwan erzählt, dass er als Junge im Knabenchor gesungen und den Kontakt zum Männergesangverein seines Heimatortes nicht verloren habe. „Es ist mir ein Vergnügen“, bedankt er sich für das Ständchen als Einstieg in die Lesung. Die Buchpräsentation ging im Rahmen der Westerwälder Literaturtage über die Bühne. Programmleiterin Maria Bastian-Erll begrüßt die Zuhörer. Später sollte sie den Abend mit dem einfachen Wort „spannend“ zusammenfassen. Tatsächlich ist es spannend, was Schwan zu berichten hat. Spannung und Spionage – das passt ja auch zusammen. Und wenn ein Autor dann dank seiner Erfahrungen aus Rundfunk und Fernsehen auch noch ein brillanter Erzähler ist, dann gerät eine Lesung zu einem kurzweiligen Vergnügen. Es ist keine Lesung im eigentlichen Sinne: Schwan gibt freihändig, ohne Manuskript, Einblick in seine Recherchen. Tausende von Quellen zu den Aktivitäten des Geheimdienstes der DDR in der alten Bundesrepublik hat er gelesen und ausgewertet. Nicht die Tatsache, dass spioniert wurde, sondern der Umfang der Spionage ist schon erstaunlich. Folgt man dem Autor, dann wimmelte es in den Bonner Ministerien nur so von DDR-Spitzeln. Aber auch der Bundesnachrichtendienst, die Bundeswehr, der Bundesgrenzschutz und so weiter sind gezielt und systematisch unterwandert worden.

„Es ging der DDR um Wissensvorsprung.“
Der Journalist und Autor Heribert Schwan stellte in der Betzdorfer Stadthalle sein neues Buch vor. Es handelt von der Spionage der Stasi in Bonn.

Schwan verliert bei seinem Vortrag allerdings kein Wort darüber, dass im Gegenzug die Bundesrepublik und die Amerikaner ebenfalls „Maulwürfe“ besaßen, was zum Austausch von Agenten hüben wie drüben führte. Doch der Aufwand, den die DDR mit der Sowjetunion im Hintergrund getrieben
hat – der war schon enorm und kostspielig. Hier wurde Geld ausgegeben, dass der sozialistische Staat an anderer Stelle gut hätte gebrauchen können. Denn spioniert wurde des Geldes wegen, aber auch aus Überzeugung. Und mit viel Raffinesse: Da gab es die „Romeo-Verhältnisse“, wo junge Männer aus der DDR gezielt auf Sekretärinnen angesetzt worden sind. Zu deren Ehrenrettung sei gesagt, dass aber auch westdeutsche Männer von aus der DDR stammenden Bardamen bezirzt und zum Landesverrat verleitet wurden. Nicht von ungefähr trägt ein James-Bond-Klassiker den Titel: „Der Spion, der mich liebte.“ Doch der Alltag der echten Agenten war weniger spektakulär und lässt sich mit den Tätigkeiten: lauschen, sammeln, kopieren umschreiben. „Es ging der DDR um einen Wissensvorsprung“, sagt Schwan. Deswegen sei es wichtig gewesen, heraus zu bekommen, wie die Mächtigen in Bonn so ticken. So nisteten sich Spione in den Ministerien und im Kanzleramt ein – von Adenauer bis Kohl. Und der Mauerfall vor 30 Jahren und die Wiedervereinigung vor auch bald 30 Jahren machen es möglich, dass Journalisten wie der Wahl-Kölner Schwan Einblicke bekommen und darüber Bücher schreiben. Die deutsche Zeitgeschichte ist zudem ein Steckenpferd des studierten und promovierten Historikers, Germanisten und Politologen. Genützt hat die Spionage der DDR im Endeffekt nichts, sie ist längst Geschichte. Spionage wird es dagegen weitergeben, denn, wie heißt es bei James Bond: „Der Morgen stirbt nie“.