FAZ „Helmut Kohl ist unsterblich“

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Kohls Witwe legt nach mit verklärenden Aussagen über den früheren Kanzler. Die ostdeutschen Demonstranten seien ihrem Mann beim Mauerfall zwar hilfreich gewesen – mehr aber auch nicht.

Maike Kohl-Richter, Witwe von Kanzler Helmut Kohl, hat in einem Rechtsstreit ihre verklärende Sicht auf das Werk und die Person ihres Mannes deutlich gemacht. „Helmut Kohl ist nur als lebendige natürliche Person verstorben, aber als absolute Person der Zeitgeschichte ist er unsterblich“, schreibt Kohl-Richters Anwalt in den vorliegenden Schriftsätzen.

Wie die Zeitschrift „Der Spiegel“ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, warnt die Witwe davor, die Bedeutung der friedlichen Revolution in der DDR zu überschätzen. Die ostdeutschen Demonstranten seien ihrem Mann zwar „hilfreich“ gewesen, mehr aber nicht.

Wer anderes behaupte, suggeriere „den Menschen weltweit, dass Demokratie, Rechtsstaat und Wohlstand sich über die Revolution auf der Straße erkämpfen“ ließen. Wie der Arabische Frühling gezeigt habe, sei das ein Irrtum.

Auch habe Kohl nicht nur wesentlich zum Ende der DDR beigetragen, sondern „entscheidenden Anteil“ daran, dass in Polen und anderen osteuropäischen Staaten Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat „auf der Basis des christlich-abendländischen Menschenbildes“ Einzug hielten.

Und obwohl Kohls Kanzlerschaft vor knapp 20 Jahren endete, glaubt Kohl-Richter, dass junge Europäer heute es „ganz wesentlich mit Helmut Kohl und seinem Lebenswerk verbinden“, dass sie in der EU reisen, mit dem Euro bezahlen und innerhalb Europas studieren und arbeiten können.

Über die Neigung des Patriarchen zu Kraftausdrücken („hinterfotzig“, „am Arsch des Propheten“) heißt es beschönigend, das sei „etwas derbe“, aber nicht böse gemeint, sondern „eben typisch pfälzisch“.