Kohl-Stiftung in Berlin

Beitrag in der FAZ

Witwe: Widerspricht Ideen meines Mannes

F.P. BERLIN. Ohne Gegenstimmen hat der Bundestag am Donnerstagabend die Gründung einer Bundeskanzler- Helmut-Kohl-Stiftung beschlossen. Wie die Stiftung genau arbeiten wird und wo sie ihren Sitz haben soll, muss noch geklärt werden. Fest steht nur, dass sie in Berlin angesiedelt sein wird, möglicherweise dort, wo Kohl zuletzt sein Bundestagsbüro hatte, an der Ecke Unter den Linden/Wilhelmstraße. Drei Millionen Euro stehen vorerst zur Verfügung, um unter anderem vier Stellen zu finanzieren.

Die Stiftung kommt gegen den erklärten Willen von Kohls Witwe Maike Kohl-Richter zustande. Kohl-Richter hat in einer zwölf Seiten langen Erklärung ihre Ablehnung begründet: „Das Vorhaben widerspricht dem letzten Willen meines Mannes.“ Sie erhebt außerdem schwere Vorwürfe gegen die CDU, die sich „von meinen Bedenken und Vorstellungen, die ich über viele Jahre mit meinem Mann besprochen habe und die wir gemeinsam entwickelt haben, (bisher) nicht beeindrucken“ habe lassen. Die Kohl-Stiftung werde zu einem Spielball der Politik, denn das Stiftungsgesetz könne jederzeit bei neuen Mehrheitsverhältnissen geändert werden.

Kohl-Richter hatte das Angebot ausgeschlagen, lebenslang Mitglied im mit fünf Personen besetzten Kuratorium zu sein. Damit setzt sich ein grundsätzlicher Konflikt fort, der schon nach Kohls Tod 2017 um den Staatsakt für ihn geführt wurde, ebenso wie um seine Grabstätte. Kohl-Richter wird vorgeworfen, in Kohls Haus in Oggersheim ein unwissenschaftliches Kohl-Bild pflegen zu wollen und eine „Wallfahrtsstätte“ für Fans des Politikers aufzubauen, der von 1982 bis 1998 Bundeskanzler war. Seine besondere Note erhält der Konflikt, weil ein wichtiger Teil der Akten des Kanzlers im Keller des Wohnhauses lagert. Diese Akten gehören eigentlich der Konrad-Adenauer- Stiftung, Kohl selbst hat sie dorthin gegeben. Nach Oggersheim sind sie nur gelangt, weil Kohl darum gebeten hatte. Er wolle sie für die Fortsetzung seiner Erinnerungen haben, hieß es damals. Die Witwe gab die Akten bislang nicht heraus, ein offener Streit darüber wurde immer vermieden.

Die Bundeskanzler-Helmut-Kohl- Stiftung ist die siebte Politikergedenkstiftung in der Bundesrepublik. Zuletzt kamen die Stiftungen für die SPD-Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt hinzu. Stiftungen gibt es außerdem für Bismarck, Friedrich Ebert und Theodor Heuss. Eine solche Stiftung führt zudem das Adenauer- Haus in Rhöndorf – nicht zu verwechseln mit der Adenauer-Stiftung.