Kohl-Tonbänder, die nächste!

Beitrag auf rheinpfalz.de von Ilja Alexander Tüchter

Das Ringen um die Kohl-Tonbänder muss beendet werden. Je länger es dauert, umso größer ist der Schaden für die Geschichtsforschung.

Wenn ein US-Präsident aus dem Amt scheidet, beginnt sofort die wissenschaftliche Arbeit daran, das schriftliche und geistige Erbe seiner Regierungszeit zu sichern. Im Falle Helmut Kohls, des neben Konrad Adenauer und Willy Brandt wichtigsten deutschen Staatsmanns seit dem Zweiten Weltkrieg, liegt der Abschied aus dem Kanzleramt bereits 22 Jahre zurück. Längst sollte es eine Helmut-Kohl-Stiftung geben, um seine Dokumente zugänglich zu machen, am besten in seiner Heimatstadt Ludwigshafen. Es gibt sie nicht.

Denn Kohls Witwe und Alleinerbin will im Streit um die Tonbänder mit den Memoiren ihres Mannes noch immer weiterprozessieren. Das ist ihr Recht, und sie sieht es sogar als ihre Pflicht. Am BGH sind noch zwei Verfahren anhängig, am Oberlandesgericht Köln ein drittes.

Auch Kontrahent Heribert Schwan lässt nicht locker. Sein Ansinnen, die Tonbänder nicht unter Verschluss zu halten, mag man als Rache an den Kohls oder auch als Geschäftemacherei betrachten. Man kann es aber durchaus so sehen, wie Schwan es darstellt: Kohls geistiger Nachlass, wozu auch die Tonbänder gehören, sollte nicht allein seiner Witwe gehören. Diese darf auch nicht die alleinige Deutungshoheit beanspruchen. So oder so – es gehen nun wohl weitere Jahre ins Land, mit Prozessen, die genau das verhindern, woran beide Seiten vorgeben, interessiert zu sein: objektive Geschichtsforschung.