Nach­ruf | Tilman Jens, 65

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Er stand ein Be­rufs­le­ben lang mit­ten in den hef­tigs­ten De­bat­ten des bun­des­deut­schen Kul­tur­be­triebs, vie­le hat er selbst an­ge­zet­telt. Wenn man mit ihm zu tun hat­te, war man da­her von sei­ner Freund­lich­keit und sei­ner Sanft­mut bei­na­he über­rascht. Der Jour­na­list und Fil­me­ma­cher Til­man Jens wur­de be­rühmt, als er 1984 in das Haus des ver­stor­be­nen Schrift­stel­lers Uwe John­son ein­brach, um die Um­stän­de von des­sen Tod zu er­kun­den – ein Feh­ler, wie Jens spä­ter selbst ein­räum­te. Im Mai 1994 ging es wie­der hoch her, als er sich der ei­gent­lich doch un­spek­ta­ku­lä­ren Ge­heim­dienst­zeit Mar­cel Reich-Ra­ni­ckis wid­me­te. Er mach­te die De­menz sei­nes Va­ters Wal­ter Jens öf­fent­lich und schrieb dar­über ein be­we­gen­des Sach­buch. Und dann war da noch die Sa­che mit dem Buch, das er ge­mein­sam mit He­ri­bert Schwan aus den Ton­bän­dern der Ge­sprä­che Schwans mit Hel­mut Kohl ge­ne­riert hat­te – De­bat­ten, Pro­zes­se, ein rie­si­ger Zir­kus. Jens be­schäf­tig­te sich in sei­nem Werk auch mit dem Miss­brauchsskan­dal an der Oden­wald­schu­le, mit der Sta­si, Sci­en­to­lo­gy und Ste­phen Ban­non, er ging kei­nem Ärger aus dem Weg. Da­bei lag er nicht im­mer rich­tig, aber wer tut das schon? Jens war ein flei­ßi­ger, da­bei bril­lan­ter Auf­klä­rer, der vor Streit nicht zu­rück­schreck­te, die Re­pu­blik wur­de durch ihn wa­cher und klü­ger. Til­man Jens starb am 29. Juli.